Echte Titel – falsche Titel – keine Titel

Grad konnte ich doch nicht anders und mußte mal meinen Senf zum medialen zu Guttenberg’s-Dissertation-Würstchen geben bei Netzpolitik. Aber in meiner Tube ist noch mehr. Und: es gibt noch viiiieeeeeellll mehr Titel-Würstchen auf dem akademischen Grill:-))) Yummie!!!

Ich muss einfach prusten angesichts der Häme und der bitterbösen Tweets, Beiträge und Artikel in der Presse. Zu Guttenberg kommt nämlich in meiner ganz persönlichen akademischen Imbissbude sehr gut weg in dieser ganzen Angelegenheit. Man könnte auch sagen: ich bin schonmal vorab dankbar, falls er tatsächlich was abgeschrieben hat.

Noch ist ja die Sache nicht ganz aufgeklärt. Aber sollte es so sein, dann würde das einer Menge Menschen die Augen öffnen. Und beim Augenöffnen bin ich immer gern dabei:-). Feine Sache, zu sehen, was wahr ist und was Illusion ist, find ich.

Ich finde allein die Vorstellung, er KÖNNTE es sich mit seiner Doktorarbeit leicht gemacht haben (die wahrscheinlich aufgrund einer schon erfolgreich begonnenen Karriere nur noch Formsache war) einfach zu herrlisch!! Echt!

Ein akademischer Titel? Nicht in diesem Leben!

Ich muss dazu sagen, dass ich ne Titelhörigkeits-Allergie hab. Also immer dann, wenn Leute auf Titel abfahren, eigene oder die von anderen, bekomm ich Pocken. Klar, dass ich persönlich keine akademische Laufbahn geschweige denn irgendeinen akademischen Titel angestrebt habe in meinem Leben. Ich habe das „Akademischer Titel? Nicht in diesem Leben!“ zeitweilig sogar zu meinem Motto gemacht. Es hat mir immer schon diebische Freude bereitet, dass ich doch mit relativer Regelmäßigkeit Titelträgern das Wasser reiche – wenn man so zusammen beim Dinner sitzt und über Qualität, Bewusstsein, Schein und Sein, Haltungen und den Sinn von et Janze philosophiert:-).

Meine Eltern hatten sich mich immer als Superhirn mit jede Menge schicken Titeln vorgestellt. Ja, man hatte sie wohl in die Schule zitiert als ich 8 oder 9 war und auf überdurchschnittliche kommunikative Gaben aufmerksam gemacht.

Als ich 13, 14 war wurden sie schlimmer, sie wollten es UNBEDINGT: das Kind mit dem Abi, dem Topabschluss, dem akademischen TITEL, dass sie ADELT. Mathe, Physik, Französisch, Englisch, Deutsch, egal, hauptsache Titel später, das war die Devise.

Es war mir daher eine große Ehre, auf alle Titel zu verzichten in diesem Leben:-), damit meine Eltern lernen können, dass ich nicht auf die Welt gekommen bin, um ihnen „Ehre“ zu machen:-), sondern um mich selbst zu verwirklichen und vor allem: Spass zu haben, bei geradem Rücken – ganz ohne Titel!

Da würd ein Psychologe natürlich sagen: „Kind, damit hast du aus reiner Widerborstigkeit gegen die Wünsche Deiner Eltern dein Leben ruiniert, entgegen dein Potential gehandelt. Ein Leben ohne Titel führst du nun. So nimm es an.“ Dabei hab ich mich ja nicht gegen einen Titel entschieden, weil meine Eltern gern einen für mich gewollt hätten, sondern ihr Wunsch hat mich quasi darauf aufmerksam gemacht, wozu Titel eigentlich gut sind, in dieser Gesellschaft: dass man was ist, was scheint, was hergibt, was man vielleicht eigentlich gar nicht ist. Und darauf -wer mich kennt, der weiß das- hab ich bis zum heutigen Tag keine Lust:-) .

Lustigerweise habe ich momentan das Gefühl, dass ich für diesen einen Moment geboren wurde -ohne Titel: den Moment, in dem die Deutschen diskutieren: hat er ihn nun verdient oder erschlichen seinen Titel, unser Verteidigungsminister?! Was für ein geiler Titel-Gau!!! Uaah! Großartig!

Ich hab ja noch nicht mit meiner Mutter drüber gequatscht, aber ich bin mir sicher, sie lacht sich genauso schlapp wie ich. Sie hat nämlich von mir -dem Kind ohne Titel- gelernt inzwischen:-))).

Ich lach mich kaputt! Das ist meine Welt!!! Herrlisch! WTF🙂

Die Ebene, auf der ich mich hier mit akademischen Titeln befasse, ist nicht die Ebene, auf der Plagiate ein Vergehen sind (ich wär als Autor nämlich auch sauer, wenn einer mich ungefragt und unerwähnt einfach kopiert!).

Sondern es ist die Ebene, auf der liebe Menschen mit großen Herzen und großer Intelligenz in die Knie gehen in dumpfer Hörigkeit vor einem Doktortitel, einem Dipl. Ing oder whatever es da an Mag’s, M.A.’s oder MOM’s oder whatever geben mag. Und dass viele Menschen Titel-hörig sind, zeigt sich momentan an der Heftigkeit, mit der man Herrn zu Guttenberg medial fertigzumachen versucht. Ich selbst bin da eher amüsiert, denn ich würde ihn einfach nur für ein gewitztes Schlitzohr halten, hätte er denn abgekupfert, was ja noch nicht geklärt ist:-).

Erfahrungen hinsichtlich der Relevanz von akademischen Titeln

Der beste Zahnartzt den ich je kannte: hat keinen Doktortitel,

Die beschissendste Frisur EVER: schnitt mir ein Friseurmeister (dessen Geselle es IMMER richtig macht bei mir).

Und der größte Vollidiot unter Gottes Sonne, der mir je begegnet ist, ist ein Doktortitel-Zahnartzt, der mir mit gleich 3 zu großen Stiften in der Vollnarkose brutalst die Wurzelkanäle zerstörte, so dass ich später 3 Zähne komplett gezogen bekam.

Ich komm einfach nie auf die Idee, jemanden mit seinem Titel anzusprechen. Ist lustig, wenn Leute dann beleidigt sind. Sagt viel aus. Besonders, wenn Frauen von Männern mit Doktor-Titel wollen, dass man sie mit Frau Doktor anspricht, da könnt ich mich wegschmeißen:-)))

Ihr seht, in meinem Leben habe ICH die Erfahrung gemacht, dass ein Titel alleine erstmal GAR NIX aussagt. Vielleicht hab ich in einem früheren Leben mal einen Titel, aber nix drauf gehabt. Vielleicht kommt meine Einstellung hinsichtlich der Relativität von akademischen Titeln daher. Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich ohne Titel auf die Welt kam und seither durch mein Menschsein zeigen muss, was ich auf der Pfanne habe. Auch im professionellen Bereich ist das meine Basis, egal wie gut ich etwas ausführen kann. Wenn ich ein Arsch bin, würd mir auch kein Titel helfen. Das ist meine Lebensweisheit.

Nur leider kann ich keine Weisheit weitergeben, mich nur ein Bißchen lustigmachen und über die Welle amüsieren, die zu Guttenberg’s Doktorarbeit auslöst beim Pöbel.

Wie man an den unten stehenden Links sehen kann, sind akademische Titel und die ihnen zugrunde liegenden Arbeiten schon längst nicht mehr Zeugnis für Genius, Innovation und Wissen, sondern eben manchmal bloß ein „Mittel zum Elite-Zweck“, dass Menschen einsetzen, weil die Gesellschaft, in der sie leben, völlig Titel-hörig ist.

Ganz ehrlich: eine Gesellschaft, die so blind danach schaut, ob jemand einen Doktor hat oder nicht, ob einer einen Porsche fährt, oder nicht, eine Gesellschaft, in der Menschen sich über andere erheben, weil sie Illy-Espresso trinken oder ihre Kartoffeln mit einem Designer-Kartoffelmesser schälen, eine Gesellschaft, in der selbst das Wohnen in einer Fabriketage einen zu „einem höheren Wesen“ macht in den Augen der 2ZiKüDieleBad-Bewohner, eine solche Gesellschaft hat meiner Auffassung nach nicht nur einen Verteidigungsminister verdient, der bei der Dissertation geschummelt hat. Sie hat ihn dringend nötig, um nicht komplett den Sinn des Lebens zu übersehen:-).

Und ich wünsch ihn uns!

Auch wenn noch nicht 100% sicher ist, ob zu Guttenberg nicht doch aus Versehen vergessen hat, Zitate als solche kenntlich zu machen, es würde glaub ich, sehr gesund sein angesichts der Haltung, die viele Menschen zur Titelwirtschaft haben:-)))

Und wer meint, er müsse nun zu Guttenberg steinigen, weil er vielleicht geschummelt hat (ja, die Steine fliegen schon, obwohl die letzte Prüfung noch gar nicht erfolgt ist!), der fasse sich mal selbst an den Kopf angesichts der Tatsache, dass Lumpis wie ich bei xing.com schon mehr als eine Anfrage bekommen haben, hinsichtlich des Ghostwritings einer Akademischen Arbeit. WTF !!! Titel, ja?! Hehe:-))) Prusst!

Eine neue Verhältnismäßigkeit zwischen Leistung, Titel und gesellschaftlichem Ansehen muss her, so sehe ich das. Und wenn ihr mich fragt, sollte die Korrektur beim Ansehen eher nach unten erfolgen – wenn die Akademien nicht bereit sind, ihre Standards anzuheben, was die Prüfung von Authentizität einer Arbeit betrifft.

So, jetzt lach ich mich weiter scheckig und meine Sympatie für den Verteidigungsminister könnte mich glatt noch zum CSU Wähler machen. Natürlich nur, wenn er wirklich abgekupfert hat – fertig studiert hat er ja! Dann wäre ihm meine Stimme sicher, wenn er es trotzdem zum Kanzlerkandidaten schaffen sollte:-)) Hehe!!! ein Meilenstein wäre das in meinen Augen, meine Stimme verdient und eine Identitätskorrektur à la The Yes Men. Erst die Wehrpflicht abschaffen, dann die Titelhörigkeit, der Mann ist in politischer Hinsicht mehr als einen zweiten Blick wert, find ich!

Und voilà hier nur ein kleiner Auszug aus dem, wo man heute so einen akademischen Titel herbekommen kann, wenn man für die Karriere einen brauchen sollte:

http://www.wissenschaftsberater.com/

http://www.acad-write.com/leistungen.html

http://www.ghostwriter.nu/http://www.e-fellows.net/show/detail.php/7440

http://www.forschungsmafia.de/blog/2009/10/27/low-cost-dissertationen-ab/

Kleine Randnotiz: es soll ja auch Leute geben, die einen Julian Assange an den Pranger stellen, der in brillianter Art und Weise der Elite-Welt die Maske vom Gesicht gezogen hat mit Wikileaks. Das gehört prinzipiell in die gleiche Kategorie von „Steinigungen, die die Welt nicht braucht“, denn:

http://frontlineclub.com/blogs/RyanGallagher/2011/02/what-wikileaks-has-told-us.html

Planet Wissen zum Thema Politische Skandale

 

Update 1.3.2011:

„Wer Großes versucht, ist bewundernswert, auch wenn er fällt.“ Seneca

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Eine Antwort to “Echte Titel – falsche Titel – keine Titel”

  1. Hans Says:

    :-)))))))))))))))) Yeah!

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