Kinder mit Asperger Syndrom: Tipps für Lehrer und Eltern

Seit einiger Zeit lasse ich mir den Newsletter vom YES! Magazine schicken. Das Magazin ist auf Englisch (kommt aus den USA) und befasst sich mit allen möglichen Themen des aktuellen Zeitgeschehens in der Tiefe.

Ganz oft werden Menschen vorgestellt, die einen innovativen und positiven Beitrag zur Weiterentwicklung der Welt leisten. Ich finde dort auch immer wieder interessante Quellen, zu Themen, mit denen ich mich gerade beschäftige.

Kinder mit Asperger Syndrom: Potentiale entdecken und fördern

Gerade gab es einen Artikel über Kinder mit Asperger Sydrom. AS ist eine leichte Form von Autismus, die bestimmte Verhaltensweisen mit sich bringt, mit denen beispielsweise Eltern und auch Lehrer umzugehen wissen sollten, wenn sie einem solchen Kind gerecht werden wollen, sprich: es ebenso fördern wollen, wie jedes andere Kind auch. Ich hatte ja früher schonmal über Temple Grandin’s Geschichte berichtet und in dem Beitrag auch die Organisation Specialisterne verlinkt, die Arbeitsplätze für Menschen mit Autismus in der Wirtschaft fördert.

Im Artikel im Yes! Magazin erzählt ein Vater vom Umgang mit seinem Sohn, bei dem mit 14 Jahren das Asperger Syndrom festgestellt wurde und davon, wie man als Eltern und Lehrer optimal einem solchen Kind begegnet, damit dieses sein volles Potential entfalten kann. Beim Vater selbst wurde erst im Erwachsenenalter AS festgestellt, Jahre nach der Diagnose seines Sohnes. Und ich persönlich gehe davon aus, dass es jede Menge Menschen mit Asperger Syndrom gibt, bei denen es einfach nur noch nicht festgestellt wurde, weil es sich nicht negativ auswirkt in ihrem Leben und somit wahrscheinlich unerkannt bleibt.

Vielfach geht das AS mit besonderen Begabungen einher, doch da betroffene Kinder sich oft „seltsam“ verhalten im Umgang mit anderen Menschen, kann es zu Ausgrenzung kommen, die dann einem normalen Auftritt in der Arbeitswelt und dem Einbringen der jeweiligen Gaben in die Gesellschaft entegensteht.

Was Lehrer und Eltern tun können

Ich bin keine Spezialistin in Sachen Autismus und Asperger, allerdings machen die Tipps für den Umgang mit AS Kids, die in dem YES!-Artikel „Getting in the head of students with Asperger Syndrome“ beschrieben und begründet sind, Sinn.

Lehrer können viel bewirken, wenn sie die besonderen Talente der Kinder herauskitzeln und entdecken und diesen dann im Schulalltag Raum geben. So wird beispielsweise vorgeschlagen, einem Kind mit besonderem Interesse und Wissen über Astronomie, im Matheunterricht entsprechende Rechenaufgaben zu geben, in dem es Distanzen zwischen Planeten berechnen soll. Einem Geschichtsinteressierten Kind mit AS könnte man ein Referat über eins seiner Interessengebiete vor der Klasse vorschlagen.

Besonders darauf zu achten, dass durch AS verhaltensauffällige Kinder nicht von Klassenkameraden gemobbt werden, ist sicherlich ebenfalls sehr wichtig und ein Lehrer kann eine Menge tun, damit das betreffende Kind seinen Platz in der Gemeinschaft einnehmen kann.

Die optimale Kommunikation mit einem solchen Schüler muss der Tatsache Rechnung tragen, dass Kinder mit AS die Dinge meist wörtlich nehmen und es sind in der Regel sehr eindeutige und klare Arbeitsanweisungen und Aussagen nötig, damit die oftmals sehr intelligenten Kinder die Aufgabenstellung so verstehen, wie sie gemeint sind.

Ansprechpartner zu sein, oder innerhalb des Lehrpersonals eine Vertrauensperson abzustellen, an die sich Schüler mit AS wenden können, wird ebenfalls in dem Artikel als sehr positiv und hilfreich beschrieben. So können Lehrer dem betreffenden Schüler ein Gesprächsangebot außerhalb des normalen Unterrichts machen, um im Einzelgespräch Feedback zu geben und zu bekommen und um besser zu verstehen, wie ein solches Kind die Welt sieht. Und auch das macht Sinn für mich, denn oftmals isolieren sich AS-Kids, wenn sie mit der Außenwelt überfordert sind oder verhalten sich bei zu vielen Reizen oder innerer Aufregung auffällig.

Nachhilfe in sozialer Interaktion statt in Mathe

Was ganz klar herüberkommt in dem Artikel beim YES! Magazin, ist die Erfahrung des Vaters, dass es gut ist, einem Kind mit AS auch eine ganz spezielle soziale Erziehung zu bieten, die bei anderen Kindern meist von alleine durch Beobachtung des Sozialverhaltens anderer „erfolgt“. Er berichtet davon, dass die Lehrer in der Schule „vorwärts lehrten“. Sie identifizierten die problematischen Situationen und halfen seinem Sohn, bestimmte Verhaltensweisen zu reflektieren und an deren Stelle andere einzuüben, die die sozialen Interaktionen mit seinen Klassenkameraden einfacher für ihn machten. Auch die beiden Eltern wurden einbezogen in dieses Training. Kinder mit Asperger Syndrom sind meist sehr sachorientiert und ein solches Training ist vielleicht ähnlich zu sehen, wie bei anderen Kindern Nachhilfestunden in Mathe oder Physik.

Der Sohn der Familie jedenfalls ist inzwischen erwachsen. Er hat mit Erfolg die Schule durchlaufen und studiert. Heute arbeitet er, hat einen Freundeskreis und eine Eigentumswohnung:-).

Ich kann mir gut vorstellen, dass Kinder mit Asperger Syndrom für jeden Lehrer ein tolles eigenes Lernfeld darstellen, denn bei allem, was ich bisher so weiß, scheinen sie einem Lehrer abzuverlangen, sich mit dem Individuum zu befassen und den bestmöglichen Weg zu finden, dieses zu unterrichten. Das wäre generell der Inbegriff des Lehrens, finde ich.  Und dies erweitert meines Erachtens auch hinsichtlich der Arbeit mit allen anderen Kindern enorm den Horizont und dürfte jeden Lehrer daran erinnern, dass Lehrer-Sein mehr ist, als nur inhaltlich den Lehrplan durchzuziehen.

Das Video hier habe ich ebenfalls im YES! Magazine gefunden: Ein 12-jähriger Junge mit AS interviewt seine Mutter darüber, wie sie ihn als Sohn empfindet und wie es für sie ist, ihn aufzuziehen.

An dieser Stelle verlinke ich auch gerne noch ein Interview mit Vera Birkenbihl, in dem sie unter anderem auf das Asperger Syndrom eingeht, mit dem sie selbst lebt. Sie ist eine der erfolgreichsten Deutschen Managementtrainerinnen und Coaches, wurde in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen und schrieb zahlreicher Bücher zum Thema Lernen und Gehirn. Sehr interessantes Interview, mit einem persönlichen Blick auf das AS und seinen Auswirkungen und Besonderheiten. Auch in ihrem Blog „Hintertreppe“ schreibt Birkenbihl seit kurzem zum Thema Autismus und ihrer Art, damit umzugehen.

Hier geht es zum Artikel im YES! Magazine „Getting inside the heads of students with Asperger Syndrome“

Und hier zu einem meiner früheren Artikel über Autismus in der Arbeitswelt

Upate 22.2.2011: ich entdecke ja doch immer noch was auf meinen Streifzügen im Web. Heute war es die Seite des Vereins Einzigartig Eigenartig e.V., auf der man noch viele interessante und hilfreiche Infos zum Thema finden kann.

Artikel vom 23.7.2011: Biste auch anders? Gut! UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung

Update 4.9.2012: Inzwischen gibt es eine „Inklusionslandkarte“ für Deutschland. Auf der Seite sind Inklusionsprojekte zu finden, bzw. kann man sich auf der Landkarte mit eigenen Beispiel-Projekten eintragen lassen.

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8 Antworten to “Kinder mit Asperger Syndrom: Tipps für Lehrer und Eltern”

  1. Annegret Says:

    Ich bin Mutter eines 16-jährigen Sohnes. Seit kurzem ist er als Asperger eingestuft. Er hat einen langen Leidensweg hinter sich, der ihn vor 2 Jahren in die geschlossene Kinder- und Jugendpsychiatrie brachte. Psychologen und Psychiater tun sich schwer, Kinder und Jugendliche zu bewerten, zumal in der Pubertät, denn ihre Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Bei meinem Sohn hat es 3 Jahre gedauert, bis man sich auf Asperger festgelegt hat, allerdings grenzwertig.
    Der heutige Schulallltag sieht allerdings so aus, daß sich Lehrer nicht um einzelne „schwierige“ Kinder kümmern können, zumindest nicht in einer normalen Schule. Erstens haben die Lehrer gar keine Zeit, sich intensiv mit einzelnen Schülern zu beschäftigen, und zweitens sind die Lehrer nicht geschult auf autistische oder Asperger-Kinder einzugehen.

    Mein Sohn hat es nicht mehr geschafft, in die normale Schule zu gehen, weil er emotional nicht mehr in der Lage dazu war, auch wenn sich alle Lehrer sehr um ihn bemüht haben. Er besucht jetzt ein Förderinternat, in der in Kleinstgruppen gelernt wird. Dort wird er gefordert und gefördert.

    • Klara Says:

      Da ich auch betroffene Mutter eines Asperger-Kindes bin und auf der Suche nach einer Beschulung mit Unterbringung/Internat für meinen Sohn (12 Jahre), interessiert es mich, um welches Internat/Förderinternat es sich bei Annegrets Schilderung handelt. Kennt jemand weitere Internate oder Einrichtungen mit Kleingruppen, die auch evtl. Asperger Kinder aufnehmen?

      • Soniadeluxe Says:

        Hallo Klara, ich persönlich kenne leider keine Einrichtung. Vielleicht hilft diese Seite hier bei der Suche (unter „Kontaktadressen bundesweit“ findet manu.a.
        Beratungsstellen und Einrichtungen) http://w3.autismus.de/pages/adressen.php
        Alles Gute!

  2. Soniadeluxe Says:

    Danke für Ihren Kommentar, Annegret. Ich habe im Internet durchaus Foren gesehen, in denen sich Gymnasiallehrer informieren, wie sie einem Schüler mit AS durch die Oberstufe und das Abitur helfen können:-) Asperger und Autismus haben viele verschiedene Ausprägungen soweit ich informiert bin, daher gibt es wahrscheinlich keinen Weg, der für alle Betroffenen gleich richtig ist. Und es kommt sicher darauf an, dass Lehrer bereit sind, sich weiterzubilden!
    Eine spezielle Förderschule mit Lehrpersonal, das besonders geschult ist, dürfte eine tolle Lösung sein, wenn die Bildungsziele ähnlich gesteckt sind, wie an anderen Schulen. Darüber weiß ich leider zu wenig.
    Ich wünsche ihnen und ihrem Sohn auf alle Fälle alles Gute. Es scheint oft schwer zu sein, AS zu diagnostizieren. In diesem Ärtzeblattartikel klingt das sehr komplex http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/pdf.asp?id=22954 .

    Ich persönlich interessiere mich vor allem für die Integration von Menschen mit AS/Autismus in die Gesellschaft, Schule, Arbeitsleben. Daher finde ich die Herangehensweise der Lehrer im YES! Artikel so toll. Ich weiß, dass es schon Fälle gab, bei denen Lehrer einen Schüler mit AS von den Schülern haben „aus der Klasse“ wählen lassen, was ich für zutiefst grausam und kurzsichtig halte.

    Daher finde ich es wichtig, darüber zu berichten, wie es auch anders geht. Ich habe davon erfahren, dass es in Deutschland Integrationshelfer gibt und Schulbegleiter für Kinder mit Autismus oder Asperger Syndrom. Da lese ich mich gerade ein, war mir völlig neu.
    Ich finde die Initiative mit einem Integrationshelfer sehr interessant, hier geht es um die eher behördl. Seite bei einer Beantragung:
    http://www.behinderte-kinder.de/gesetze/urintegrhelf.htm

    Und in diesem Forum hier http://www.rehakids.de/phpBB2/ftopic10499.html berichten z.B. Schulbegleiter von ihren Erfahrungen und tauschen sich auch mit Eltern aus, die über einen Begleiter nachdenken.

    Wissenschaftliche Studien und Tests etc gibt’s eine Menge. Spannend finde ich ja, was im ganz normalen Alltagsleben an Möglichkeiten zur Integration vorhanden ist.
    Viele Grüße!

  3. Annegret Says:

    Klar gibt es Integrationshelfer und Schulbegleiter. Das Problem ist aber, daß die Kommunen immer klammer werden. Ich habe Glück, daß ich in einer Stadt wohne, wo die Unterbringung in einem Förderinternat vom Jugendamt unterstützt wird – noch. In unserer Nachbarstadt ist das nicht der Fall. Wer kann die Kosten für eine Intenstivbetreuung im Internat von ca. 6.000,- Euro pro Monat aus eigener Tasche bezahlen? Ich nicht.

  4. Caroline.B Says:

    Guten Abend

    Ich bin Gymnasiastin und schreibe meine Abschlussarbeit über das Asperger-Syndrom.
    Es ist ein Thema, welches mich sehr interessiert und sehr umfangreich ist.

    Demnach habe ich einige Fragen, welche mich brennend interessieren und mir eventuell bei meiner Arbeit weiterhelfen könnten.
    Ich wäre sehr dankbar, wenn Ihr mir einige Fragen beantworten könntet.

    1. In welchem Alter stellten Sie erste Anzeichen eines ungewöhnlichen Verhaltens bei Ihrem Kind fest?

    2. Wie lange haben Sie das Verhalten Ihres Kindes beobachtet, bis Sie sich entschieden haben, zu einem Arzt zu gehen um dieses zu untersuchen?

    3. Wie ging der Arzt vor um eine Asperger-Syndrom Diagnose zu erstellen?

    4. Wie lange dauert es bis es zu einer entgültigen Diagnose kam?

    5. Inwiefern wird das Familien leben mit einem betroffenen Kind beeinflusst und beeinträchtigt?

    6. Wird Ihr Kind wegen der Krankheit von anderen Mitschülern gehänselt?

    7. Geht Ihr Kind in eine Regelschule oder Sonderschule?

    8. Falls Ihr Kind in eine Sonderschule / Spezialschule geht, wie haben Sie die geeignete Schule für Ihr Kind gefunden?

    9. Falls Ihr Kind in einer Sonderschule ist, bemerken Sie eine Besserung seit es dort betreut wird?

    10. Falls Ihr Kind in eine Regelschule geht, wie kommt es dort zurecht mit Lehrern und Mitschülern?

    Herzlichen Dank im voraus

    Freundliche Grüsse
    Caroline Beck

  5. Soniadeluxe Says:

    Hallo Caroline!

    Wahrscheinlich kannst Du durch Initiativen wie Einzigartig – Eigenartig e.V. mit Eltern in Kontakt kommen hinsichtlich Deines Fragebogens http://www.einzigartig-eigenartig.de .

    Viel Erfolg mit dem Abi! Das ist ein interessantes Thema und du kannst sicher eine Menge innovativer Ansätze in dem Bereich finden, über die es sich zu berichten lohnt.

  6. Caroline.B Says:

    Hallo Sonia

    Herzlichen Dank für die Information

    Liebe Grüsse Caroline

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