Das innere Kind

Ich finde das Buch „Aussöhnung mit dem inneren Kind“ (Chopich/Paul) ganz toll. Eine Freundin erinnerte mich heute in einem Forum daran. Ich habe vor einigen Jahren damit gearbeitet und viele Anregungen hole ich bis heute immer mal wieder hervor. Das war in einer Phase, wo mein inneres Kind so ziemlich alles boykottierte, was ich mir so in meinen erwachsenen Kopf gesetzt hatte. Es fühlte sich echt so an, als würde jedesmal, wenn ich grad losgehen wollte, um die Welt zu erobern, mein inneres Kind grad Bauchweh haben, einen Zahn bekommen oder einfach nur heulen und Aufmerksamkeit einfordern.

Für mich war es jedoch sehr interessant und lehrreich, das so extrem zu erleben. Denn früher hatte ich nie auf die kleinen Anzeichen geachtet, die kleine Akte der „Selbstsabotage“. Erst, als es zu einer völligen Blockade führte, habe ich begonnen, mal genauer hinzuspüren und zu schauen.

So, wie mit einem echten, äußeren Kind, blieb mir nichts anderes übrig, als es zuerst zu beachten, zu beruhigen, manchmal auch zu bestechen:-) und im Laufe der Zeit immer wieder ganz bewußt Zeiten einzubauen, in denen ich mich ganz konkret und ausschließlich um mein inneres Kind kümmere.

Ich habe einem Freund dieses Buch geschenkt. Dieser, Mitte 30, wünschte sich total, Vater zu werden. Die erste Frau, mit der das in Reichweite gerückt war, wurde schwanger, sagte ihm nichts davon, und trieb heimlich ab. Sie trennten sich und er war total fertig.

In der Zeit, in der wir viel miteinander unternahmen (ich kenne ihn schon aus der Schulzeit), war er gegenüber all meinen kindlichen Aktionen immer sehr streng. Z.B. kritisierte er immer ganz extrem meine ausgeflippten Schuhe und meine Bilder.

Ich hatte gerade erst angefangen zu malen und bis heute sind die meisten meiner Bilder knallebunt und zeugen davon, daß ich definitiv keine Ausbildung habe und daß ich auch überhaupt nicht realistisch zeichnen kann. Mein Freund lachte mich damals immer aus, meine Bilder sähen ja aus wie von einem 10 jährigen Kind gemalt etc. Das hat mich damals total berührt und runtergezogen und ging in den ersten Monaten so tief rein, daß ich, wenn er zu besuch kam, die meisten Bilder abhängte! Da habe ich mir ernsthaft Gedanken darüber gemacht, welche Instanz in mir solche negativen Urteile ausspricht und mir war völlig klar, daß es was mit mir selbst zu tun hatte, daß da jemand meine kreativen Aktionen so runterputzte.

Dann zogen 2 Häuser weiter in einem Ladenlokal 2 Künstler ein, die richtig bunte Bilder malten. Der Laden heißt Yuri Zitrone und als Maskottchen haben die einen schrägen Hund, der immer mal wieder in den Bildern auftaucht. Sie malten u.a. Bilder von Fotos ab, in Großformat und total realistisch. Einer von beiden malte außerdem kleinformatige Bilder, die auch aussahen, wie von einem Kind gemalt! Er bastelte auch so kleine, total schrille Gipsfigürchen, Superman-Lämpchen und so ein Zeug. Ich war begeistert und total happy, daß es da noch andere Leute gab, die in ähnlichem Stil unterwegs waren. Sie fanden meine Sachen cool und haben mich damals total ermutigt, einfach so weiterzumachen und voll dahinter zu stehen.

Durch diese Bekanntschaft ist Selbstbewußtsein bzgl. meines Stil unumstößlich hergestellt worden. Ich habe mich mit oben erwähnten Freund noch einige Monate ab und zu getroffen und meine Bilder nicht abgehängt. Als ich dann sogar eines in einer Galerie ausstellte, hat er gar nichts mehr dazu gesagt und einige Zeit später wurden auch unsere Trefen immer seltener.

Wir sind zwar noch befreundet, sehen uns aber nur noch sehr selten. Irgendwann einmal erzählte er mir was von seiner Kindheit und da habe ich kapiert, daß seine Haltung gegenüber allem Kindlichen bei sich selbst und anderen Erwachsenen mit seiner Geschichte zu tun hatte. Ich schenkte ihm damals das Buch und erzählte ihm, wie hilfreich die Arbeit damit für mich gewesen sei.

Inzwischen sind ca. 4 Jahre vergangen. Er hat inzwischen einen kleinen Sohn mit seiner neuen Partnerin und ist soweit ich es mitbekommen habe, ziemlich gestresst, nun eine Familie ernähren zu müssen.

Meiner Beobachtung nach gehen viele Menschen mit ihren Kindern und dem kindlichen in ihrem Leben auf ähnliche Art um, wie sie mit ihrem inneren Kind umgehen. In meinem Freundeskreis sehe ich in den Kindern vieler ihre inneren Kinder. Und im Verhalten diesen Kindern gegenüber erkenne ich die Not, die sie teilweise mit ihren eigenen kindlichen Impulsen haben.

Ich finde die Arbeit mit dem inneren Kind, gerade wenn man noch keine Kinder hat, sehr wertvoll. Und ich persönlich bin unendlich dankbar dafür, daß ich hier schon auf einem guten Weg bin und nicht irgendwann mal meine Kinder oder Kinder allgmein zur Projektionsfläche für mein inneres Kind machen zu müssen.

Vielleicht sind auch für viele Menschen ihre Kinder ein großes Geschenk, weil sie ihnen die Gelegenheit bieten, sich mit dem eigenen inneren Kind auszusöhnen. Jedoch meine ich, daß ein Kind das Recht auf Eigenständigkeit hat und nicht nur den Eltern als Heilungschance dient.

Der Umgang mit Kindern ist im Bezug auf die Arbeit mit dem eigenen inneren Kind sehr lehrreich, wie ich finde. Ich selbst war bis zu der Zeit, wo ich mit meinem inneren Kind in Kontakt kam, Kindern gegenüber ziemlich neutral, vieleicht sogar ein Bißchen mißtrauisch. Heute steht meine Tür immer offen, Kinder fühlen sich zu mir hingezogen, beziehen mich in all ihre typisch kindlichen Aktionen mit ein und erzählen mir von ihren Wahrnehmungen, die -würde ich nur als Erwachsener zuhören- völlig absurd klängen. All dies schließt in keinster Weise aus, daß sie in mir durchaus einen Erwachsenen Menschen sehen, der ein paar Jahre mehr Erfahrung in dieser Welt hat.

Wenn ich mir anschaue, wie mein Umgang mit Kindern heute ist, so fühle ich mich damit sehr wohl. Meiner Theorie nach ist dies ein prima Spiegel dafür, wie ich mit meinem inneren Kind umgehe. So wie ich einem Kind erkläre, weshalb ich es schade finde, wenn es meine Dahlien zerpflückt, statt es anzuschreien, und das Kind hernach zu den Blumen geht und mir sagt: „Schöne Blume, darf ich sie gießen?“ erlebe ich auch, wie Kinder, die vor einem Jahr noch Angst vor Hunden und Katzen hatten oder die versuchten, die Tiere immer rumzukommandieren, mit einem Mal ganz still auf meiner Türschwelle sitzen und darauf warten, daß die Katze des Nachbarn von alleine zu ihnen kommt. Wie groß die Freude sein kann, wenn das Tier dann tatsächlich angeschnurrt kommt, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Ich finde Kinder klasse. Sie wollen es wirklich wissen. Und ich beobachte ganz oft, wie sie „Mist bauen“, damit jemand kommt und ihnen erzählt, was es mit diesem oder jenem auf sich hat. En detail. Sie wollen es wirklich wissen!

Meiner Erfahrung nach ist mein inneres Kind der ursprünglichste Teil meiner selbst als Mensch. Es ist der Teil, der am genialsten ist, der dafür sorgt, daß ich meine Grenzen immer wieder erweitere und neu definiere und der Teil, der im Hier und Jetzt lebt. Für mich ist es eine heilige Verbindung mit meinem inneren Kind in Harmonie zu leben. Und wenn es dafür nötig ist, ab und zu mal 2 Tage lang zu heulen, ja dann habe ich eben mal 2 Tage lang dicke Augen und lache am dritten Tag wieder. Wenn es dafür nötig ist, manchmal jemandem ganz klar „NEIN“ oder „Ich liebe Dich“ zu sagen, ja dann sage ich „NEIN“ oder „Ich liebe Dich“ – egal wie die Konvention es gerne hätte. Und wenn es dafür nötig ist, das gesamte Farbspektrum in meiner Wohnung präsent zu haben, an Wänden, Möbeln und auch meiner Garderobe, na, dan bin ich eben ein Paradiesvogel. Es ist eine heilige Beziehung. Es ist der Mühe wert, diese zu hegen und zu pflegen.

Und es zeigt sich immer wieder, daß es andere „innere Kinder“ befreit und erfreut, daß Menschen im Umgang mit meinem inneren Kind viele Seiten leben können, die sie an vielen Stellen ihres Lebens unterdrücken und verstecken müssen. Hier stimmt der Spruch: wenn Du Dich weiterentwickelst, entwickelt sich alles um dich herum ebenfalls weiter“, finde ich.

Es lohnt sich, sich mit dem inneren Kind auszusöhnen:-)

Love,
Sonia*

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