Trick 17 – Entlieben für Dummies

Interessanterweise hat fast jeder schon das eine oder andere Mal die Erfahrung gemacht, jemanden zu „lieben“, der einen nicht genauso zurück liebt. Oder umgekehrt:-)

Meiner Erfahrung nach ist es keine reine Liebe, wenn es weh tut. Sprich, Liebe, bedingungsose Liebe – und die ist die einzige Liebe, die einen wirklich anhebt:-) – ist eine bewußte Entscheidung, am Loslassen zu arbeiten. Und das ist sehr schwer, manchmal auch sehr langwierig. Aber: eine unerfüllte Liebe ist eine große Chance zu wachsen. Wenn man denn die eigene Weiterentwicklung wichtiger nimmt als die Erfüllung der eigenen (romantischen) Wünsche.

Wenn mein Wohlbefinden davon abhägt, ob ein anderer Mensch bei mir ist, dann bin ich definitiv unfrei. Weil das auch mir schon so gegangen ist und ich dieses Gefühl wirklich ätzend finde (weil es einen ja total machtlos macht, da man ja meistens keinen Einfluss auf die Gefühle eines anderen Menschen hat), habe ich eine interessante Technik zum „entlieben“ entwickelt, die bei mir immer sehr gut funktioniert und sogar meinen Horizont erweitert und echte Liebe zum Vorschein kommen läßt, wo vorher vor allem Sehnsucht und Abhängigkeit waren.

Der Trick basiert auf der Annahme, daß „Verliebtheit“ durch Projektion eigener ungelebter Anteile und Eigenschaften auf einen anderen Menschen entsteht😉

Wenn ich also in die Situation komme, mich in „unerreichbar“ zu verlieben (was mir dauernd passiert – ich bin immer in irgendwen oder irgendwas verliebt:-))) ), dann schau ich mir das Objekt meiner Verliebtheit mal en Detail an, also alles, was ich sehe, wahrnehme, weiß oder zu wissen glaube über die betreffende Person.

Dann gehe ich los und mache alles, was „eigentlich“ der andere macht oder ist. Beispiel: ich verliebe mich in einen konservativen Mann, mit Hang zum Sicherheitsdenken und einer etwas „spießigen“ Art, alles, was ich selber so überhaupt nicht bin. Diese Eigenschaften schaue ich mir genauer an und ergründe, was sie archetypischerweise sind und welche „Sehnsucht“ in mir es tatsächlich ist, die sich in der Verliebtheit in die Summe dieser Eigenschaften auszudrücken versucht. Tja, und dann komme ich in o.a. Fall z.B. dahinter, daß ein Bißchen Bodenständigkeit und Stabilität in meinem Leben fehlt und ich sehr gerne wüßte, ob ich in 3 Monaten noch genug Geld verdiene, um zu überleben. Tja, und mit dieser Erkenntnis kann ich dann an meinen unbewußten Ängsten oder aber an dem Wunsch,
alles unter Kontrolle zu haben, arbeiten.

Wenn ich mich in einen DJ verlieben würde, dann würde ich mir wahrscheinlich einen genialen Kopfhörer oder Turntables zulegen, meine Repertoirekenntnisse erweitern, stundelang in Plattenläden rumhängen. Und wenn mein Traum-Kandidat sehr rücksichtsvoll und intuitiv ist, Yoga macht und zu Buddhistischen Treffen geht, dann würde ich wahrscheinlich beginnen, mich mit meiner eigenen Spiritualität zu befassen und diese Eigenschaften in mir selber suchen oder fördern.

Das sind nur ein paar profane Beispiele, wie man aus einer furchtbar aussichtslosen, unglücklichen Verliebtheit echte Liebe machen kann. Denn ich persönlich bin den betreffenden Menschen immer sehr dankbar für das, was sie in mir angetriggert haben. Proportional zur Integration der betreffenden „Eigenschaften“ verpufft dann auch bei mir das irre Verliebtsein, ich werde nüchterner und losgelöster.

Wenn man es genau nimmt, so ist es machmal ein echter Liebesdienst der Seele, Nein zu jemandem zu sagen, der nur so eine bestimmte Erfahrung machen kann. Diese Freiheit nehme ich mir selber ja auch, wenn ich mal die Gefühle eines anderen nicht erwidere. Es geht vielleicht auch darum, die Gefühle anderer zu respektieren, ob sie einem nun gefallen oder nicht, und das Beste draus zu machen.

In meinem Leben wird aus völlig irrer Verliebtheit (denn das isse doch) Liebe, wenn ich anfange, den anderen zwar im Herzen zu erfühlen, aufgrund einer Nichterwiderung meiner Gefühle jedoch die Person mal auf das psychologisch Wesentliche „reduziere“, was sie für mich be-deutet.

Seit ich es so mache, habe ich unendlich viele neue Dinge gelernt, statt sie durch andere Menschen leben zu lassen. Ich habe viele Herzensverbindungen endeckt, wo ich verschmähte Liebe vermutet hatte, nachdem sich meine Gefühle von Projektion zu echter losgelöster Liebe verwandelt hatten und ich habe die Freiheit gefunden, pro-aktiv, statt reaktiv zu handeln und meinen emotionalen Zustand selber zu wählen und nicht abhängig von anderen zu machen.
Es liegt einfach nicht in meinem Einflussbereich, ob ein anderer Mensch sich in mich verliebt, sehr wohl aber, wie ich mich dazu einstelle:-)

Übrigens habe ich festgestellt, daß es sich mit negativen Gefühlen ähnlich verhält: daß der Grad der emotionalen Erregung ein Indiz für die Dringlichkeit ist, mit der verdrängte, ungelebte Anteile um Aufmerksamkeit ringen. Ob gut oder schlecht, Hass, Liebe oder Neid, Umwelt ist ein Spiegel. Ob man nun darin was Tolles sieht oder was Fieses: Spiegel bleibt Spiegel🙂.

Alles Liebe und viele tolle Erfahrungen wünsche ich!

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