Die Maske

Die Maske

Menschen sehen mich.

Wie?

Wie ich bin?

Wie sie meinen, daß ich bin?

Bin ich so, wie man mich sieht?

Sieht man mich so, wie ich bin?

Wie ich bin, sieht nicht jeder der mich sieht.

Wer bin ich?

Du mußt mich wahrnehmen, fühlen,

dann weißt du, wer ich bin.

Daß du die Brille absetzt, will ich,

um nur das Wesentliche zu erkennen,

welches du vermissen wirst,

wenn du genau hinsiehst.

Es liegt in deiner Hand,

dein Leben zu teilen mit Persönlichkeiten.

Begegnungen,

die dich erfüllen,

mit Liebe,

mit Erkenntnis,

mit Weisheit,

mit Angst

oder Gleichgültigkeit.

Du lässt sie dir entgehen,

die Lichtblicke im Sein deines Gegenübers.

Komm doch näher;

Stumme Warnung. Spring ab! Lauf weg!

Tu etwas, um das falsche Schweigen zu beenden.

Wann erkennst Du mich?

Ich öffne mich weit.

Du darfst in den Garten meiner Gefühle eintreten.

Gefühle für das Leben.

Du darfst grübeln,

über die Schluchten meiner Ängste springen.

Sie erforschen.

Mir erklären.

Warum erkennst du mich nicht?

Du schließt dein Herz, wenn du die Augen öffnest.

Ich habe dich erkannt, als wir uns trafen.

Als wir uns trafen, begann ich dich zu lieben,

denn ich habe dich erkannt.

Ich habe hinter der Maske, die du trägst, erkannt

das Schöne,

das Wahre.

Ich trage nicht die Brille.

Ich will dich lieben.

Erkennen.

Die Maske kann den Blick abwehren,

Blinde jedoch erkennen dich.

Da ist noch mehr in dir.

In uns.

Es fällt mir ja so schwer, die Maske aufzusetzen.

Sie drückt.

Sie rutscht.

Ich will mich zeigen ohne sie.

Der ehrlichen Kritik,

dem ehrlichen Zuspruch nicht entfliehen.

Flucht ist falsch,

man bleibt allein.

Ich will mich zeigen ohne sie.

Man glaubt vielleicht, wenn man mich sieht,

man sähe diese Maske.

Fehlerhaft, na klar,

weil keine Maske, sondern ich.

Man urteilt,

ahnungslos,

über Schein, der Sein ist.

„Schlecht gewählt“- weil schlecht geschnitten

knittrig,

eine Masche fällt von Zeit zu Zeit.

Wie ein nicht angemessenes Kleidungsstück.

So fühl ich mich,

ohne Maske.

Warum?

Weil alle diesen Masken tragen,

kaum jemand sehen will, was dahinter steckt.

Zu anstrengend.

Zu fremd.

Zu hell.

Zu persönlich.

Zu uninteressant.

Zuviel verlangt?

Schön und wahr, das habe ich gesehen ohne Brille.

Ich bin nicht ‚viele‘,

nicht ‚alle‘

nicht ‚die‘.

Ich scheine, wie ich bin.

Mal gut,

mal schlecht.

Mal schön,

mal hässlich.

Mal rau,

mal weich.

Mal obenauf,

mal deprimiert.

Ich trage nicht die Maske. Sie drückt zu sehr.

Vielleicht erkennst auch du eines Tages,

was Schein ist und was Sein.

Draußen in der Welt sind deine Freunde,

Schwesternseelen.

Die dich finden werden, wenn du keine Maske trägst.

Die du finden wirst, wenn du die Brille absetzt.

Und Feinde,

denn wenn du Gutes suchst,

wirst du auch Böses finden.

Du wirst gejagt, gehetzt,

gequält.

Doch lohnt sich nicht der schwere Weg,

um zu erkennen, was Liebe ist?

Wer du bist?

Geflohen bin ich oft.

obwohl ich doch so mutig bin.

Vor wem?

Ich weiß es nicht,

denn sie trugen Masken.

Nun bin ich trotzdem froh,

daß ich mich durchgeschlagen habe,

denn ich habe dich gefunden,

warm und schön.

In dir scheint es hell.

Vielleicht weißt du es nicht,

weil du mit Maske und Brille in den Spiegel schaust,

um dich selbst nicht zu erkennen,

denn du siehst nur dein Bild.

Eines Tages wirst auch du erkennen,

was Schein ist und was Sein.

Du bist fast schon auf dem Weg.

Doch hast Du mich erkannt?

Ich trage keine Maske.

Sonia Galai 1996

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