Pimp my Schrank: Möbel verschönern mit Papier

Not macht ja angeblich erfinderisch. Und ich muss das bestätigen. Habe ich doch in verschiedensten Lebenslagen Einfälle gehabt, die sich nicht nur in der Situation selbst sondern auch später noch als echte Glücksgriffe entpuppten.

Gut, das mit dem Reinigungs-Kleiderbügel, mit dem ich versuchte mein auf Kipp stehendes Fenster von außen zu öffnen nachdem ich die Tür zugeknallt und den Schlüssel von innen hatte stecken lassen, war jetzt eher eine der Ausnahmen ohne  positiven Effekt auf mein weiteres Leben. Das Fenster bekam ich nicht auf und den verbogenen Bügel konnte ich natürlich wegschmeißen.

Anyway, ich will heute ja auch lieber von einem meiner Sonia-Düsentrieb Erfolge berichten, als von Missgeschicken…

Der “Oilily-Effekt”: Schöner Wohnen (nicht nur) für gescheiterte Existenzen

Ich habe den “Oilily-Effekt” eher zufällig entdeckt. Ach, was erzähl ich, es war eine Bilderbuch- Serendipity, fast so gut wie die von Archimedes in der Badewanne oder die Entdeckung des Penicillins!

Eines Tages bekam ich von meinem Nachbarn einen fiesen, ollen Schrank aus dem Proberaum geschenkt, der eigentlich auf den Sperrmüll sollte.

Das war nach meiner Rückkehr aus Ägypten. Ich hatte zuvor konsequent meine Wohnung aufgelöst und musste nach meiner Rückkehr nach Deutschland quasi wieder bei Null anfangen mit der Einrichtung.

In meiner damaligen Mini-Wohnung war zwar nicht sehr viel Platz, aber so einen einfachen, hohen Schrank konnte ich gut gebrauchen. Hätte ich einen Schrank dieser Größe bei den Ikeas dieser Welt suchen müssen, ich wäre wahrscheinlich verrückt geworden. Ich laufe nämlich nicht so gerne durch die Läden mit einem Zettel in der Hand, auf dem Maße stehen.

Mal abgesehen davon hätte ich niemals auch nur einen Cent für so ein grau-schwarz-kunstofffurniertes Teil ausgegeben. Aber geschenkt stand er nun auf dem Flur rum und ich war noch etwas unschlüssig, ob ich ihn nicht doch noch beim Sperrmüll anmelde.

Aber es sollte anders kommen…

Ich beschloss, den Schrank erstmal weiß zu lackieren, was natürlich nur bedingt funktionierte, weil ich die Oberflächen nicht abgeschliffen hatte (weiß gar nicht, ob man so Kunststoff überhaupt abschleifen kann..). Der Lack schwamm so auf der Oberfläche und überall waren die Pinselspuren zu sehen. Er sah nach dem Lackieren jedenfalls fast noch schlimmer aus, als ohne Lack.

Tapetenkleister-Heureka und Geschenkpapier in allen Farben

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es mir kam, aber irgendwann wußte ich, dass ich die Tür dieses dem Sperrmüll geweihten Objektes mit Geschenkpapier bekleben würde. Risikofaktor: Tendenz gegen Null.

Ich ging also in den am Besten sortierten Dekoladen der Stadt und kaufte mir ganz dekadent das schönste und teuerste Geschenkpapier (pro Bogen 2,50 Euro) .

Meinen Heureka-Moment jedoch hatte ich bei der Überlegung, wie ich denn nun dieses schöne Papier ordentlich auf die Tür des Schrankes geklebt bekomme. (Selbstklebende Folie kam von vornherein nicht in Frage, weil es da zu wenig Auswahl nach meinem Geschmack gab)

Und da fiel mir Tapetenkleister ein!

Ich dachte mir, dass man an Wänden den Kleister nach dem Trocknen ja auch nicht mehr sieht und los ging’s.  Zuschneiden musste ich das Papier nicht, denn die beiden Bögen, passten haargenau untereinander auf die Schranktür. Anfängerglück eben:-)

Und so geht das mit dem Schrank bekleistern:

Man nehme..

1 olles, häßliches Objekt, welches mit einem Fuß schon auf der Straße steht

Geschenkpapier nach Wahl, gibt’s in allen Variationen und oft auch meterweise auf Rollen zu kaufen

Tapetenkleister (Anrührmenge einfach runterrechnen)

1 Kleisterpinsel

glatte Unterlage

1 Weiche Bürste/Besen

Man setzt den Kleister an, kleistert dann das Papier ordentlich ein, läßt es kurz einweichen und klebt es danach mit den oberen Ecken zuerst auf die zu beklebende Fläche. Das Ganze kann man gut mit einer weichen Bürste glattstreichen, wie Tapete eben, aber mit etwas mehr Vorsicht. Dann läßt man’s trocknen.

Wenn übrigens das Muster an den Papierkanten nicht genau aufeinander passt, macht das nicht unbedingt etwas aus. Da habe ich bei so manchen Blümchenkleidern schon Schlimmeres gesehen:-).

Wer will, kann nach dem Trocknen auch noch mit Klarlack drübergehen. Ich denke, dass man für Möbelstück im Badezimmer besser drüberlackiert, wer weiß, sonst löst nachher die Feuchtigkeit den Kleister wieder auf. Ich persönlich finde es in matt am schönsten.

Nun, inzwischen macht selbst der abblätternde Lack aus meinem beklebten Schrank ein begehrtes Objekt, denn ein Bißchen “abgefuckt” ist ja seit geraumer Zeit total angesagt…:-)

Was ist nun der “Oilily-Effekt” ?

Ganz einfach: der Oilily-Effekt ist das, was seit der Schrankbeklebung passiert, wenn ich Besuch bekomme und Leute zum ersten Mal meine Wohnung betreten: Love at first sight! “Ohhhhhh! Wo hast du denn diesen schönen “Oilily-Schrank” her?”. DAS ist der “Oilily-Effekt”.

(Falls ich von Oilily abgemahnt werden sollte, weil ich den Namen im Zusammenhang mit dem Bekleben eines ollen Schrankes verwende, so werde ich den Artikel umschreiben und es den “Frida Kahlo-Effekt” nennen. Die ist tot und hat sicher nix dagegen;-).

Ich habe den bunten Schrank jetzt seit 2004 und eigentlich fand ich ihn trotz schön beklebter Tür noch immer etwas ugly. Bis ich feststellte, dass so gut wie jeder Gast sich in diesen “Oilily”-Schrank verliebte.

Selbst Leute, die daheim total beige-braun eingerichtet sind, gerieten schon völlig aus dem Häuschen angesichts des Schrankes. Und so beförderte ich ihn irgendwann vom “Schandfleck” hinauf in die Klasse der persönlichen Kultobjekte.

Es gibt inzwischen auch eine Warteliste mit Freunden, die den Schrank gerne haben wollen, sollte ich mich je von ihm trennen und ich bin mir sicher, dass sich der Wert auch weiterhin proportional zu den Oh-wie-schön!-Komplimenten, die er erntet, noch steigern wird:-). Das ist doch mal ne ideelle Kapitalanlage, die sich sehen lassen kann!

Und die Moral von der Geschicht: Kultobjekte kauft man nicht! Man macht sie einfach selbst!

Das Beste daran, wie ich finde:  mit solchen Aktionen kann man jede noch so krasse Schrank-Pleite in einen Design-Hauptgewinn verwandeln , der nicht nur einem selbst, sondern auch vielen anderen Leuten Freude macht. Hätte mir das einer vor 10 Jahren erzählt, ich hätte ihn an die Wand geklatscht.

Ich finde übrigens gerade in Kinderzimmern, wo oftmals die Möbel ganz schön strapaziert werden, kann man prima jede Saison eine neue Papierschicht aufkleistern, um den Laden immer wieder neu zu gestalten:-).

Lasst Euch von einer, die auszog um pleite zu gehen und zurückzukommen, sagen: es ist möglich, auch ohne großes Budget der Style-Guru seiner Uschi-Selbsthilfegruppe zu werden, jawohl:-)

–> Gleiches gilt übrigens auch für Klamotten… Ich sage nur Vintage

Aus Alt mach Neu

Heute früh fand ich ein Zitat von Scott Olson (der mit den lachenden Delphinen schwimmt..), welches ich ganz interessant fand im Zusammenhang mit ollen Sachen, die man noch braucht, aber häßlich findet:

“Integrate the good things from your old life into your new life, because your old life is what has brought you to this moment.” 

Ob es dabei nun um Eigenschaften geht, von denen alle sagen, sie seien “Schwächen” oder um alte Kommoden oder Schränke: alles hat Potential zum Glücksgriff zu werden, man braucht bloß einmal drumherum zu laufen und ein Bißchen Pfiff im Herzen zulassen.

Let it flow! Begrenzt euch nicht selbst, wenn die Pusemucken nach der Scheidung oder dem Jobverlust nicht mehr so locker sitzen, sondern nehmt die Einladung auf die Flohmärkte und in die Musik-Proberäume dieser Welt an!

Es hat auch was umWELTfreundliches, Dinge/Eigenschaften zu läutern, ihnen ein zweites oder drittes Leben zu schenken und man braucht sich so auch keine Sorgen mehr um Kinderarbeit beim Hersteller zu machen.

Web-Tauschbörsen wie Netcycler sind im Kommen und haben möglicherweise sehr gute Chancen, ebay & Co Konkurrenz zu machen. Vielleicht dauert das noch eine Saison, wie das mit den Clogs, die auch erst jetzt den Mainstream erreichen…könnt ihr sie hören? …clog…clog….clog:-)

Wer’s individuell und günstig haben will, sollte sich schon trauen, einen Schrank für rund 5 Euro zu pimpen und damit den ersten Preis für gelungenes Design-Krisenmanagement zu holen in seinem Freundeskreis!
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Hier ein nett gemachtes Video zur Entstehung und Lebenszyklen von Produkten sowie Konsumzwang:

BTW: I love MTVs “Pimp my Ride”. Das erklärt doch sicherlich, wieso ich auch die Bretter IN  meinem Blumenschrank golden angesprüht habe;-)

Hier geht’s zum Artikel “Rauhputz für die Persönlichkeit”

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3 Antworten to “Pimp my Schrank: Möbel verschönern mit Papier”

  1. Lisa Says:

    Huhu… Göttlicher Artikel. Finde ich sehr gut geschrieben und ist genau das, wonach ich gesucht habe! Etwas, womit ich meiner kleinen Traumwohnung meine persönliche Note geben kann. Danke vielmals!

  2. Marie Says:

    Wunderbarer Artikel, habs gleich mal nach gemacht und bin begeistert. :)
    Weißt du, ob der Klarlack auch kratzfest ist? Ich habe nämlich mein Fernsehregal aufgepimpt und traue mich noch nicht den Fernseher zu platzieren.

    • Soniadeluxe Says:

      Ich hab’s schon mal mit Klarlack aus der Sprühflasche probiert, das tut’s gut. Einfach machen oder mal im Baumarkt oder Farbenladen nachfragen ;-) Viel Spass!

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